Gerade in Hinblick auf Blasen- und Nierenproblematiken bei Spina-Kindern kann es zu schwerwiegenden Problemen kommen.
Wie können Eltern das Trinkverhalten ihrer Kinder grundssätzlich verändern ?
Kinder daran zu gewöhnen, ausreichend und das Richtige zu trinken, stellt für Eltern eine nicht immer ganz leichte Aufgabe dar. urbia fragte Diplom-Oecotrophologin Alexandra Renkawitz vom Deutschen Grünen Kreuz (DGK), was Eltern dabei beachten sollten und wie die optimale Trinkerziehung aussehen kann.
Sie sagen, Kinder trinken erst, wenn sie durstig sind und das
sei im Grunde bereits zu spät. Kann man sich denn nicht auf die Signale
des Körpers, also einfach auf das Durstgefühl verlassen?
Alexandra
Renkawitz:Kinder und Senioren haben oft kein verlässliches
Durstempfinden. Und bei Erwachsenen tritt der Durst oft erst dann ein,
wenn dem Körper bereits Wasser fehlt. Deshalb müssen wir das
regelmäßige Trinken lernen, also zu trinken bevor wir Durst spüren.
An welchen Symptomen kann man denn erkennen, dass ein Kind nicht genug trinkt?
Renkawitz:
Das lässt sich nicht an einem einzigen Symptom festmachen. Das Kind ist
möglicherweise unkonzentriert, klagt über Kopfschmerzen oder fühlt sich
müde.
Welche Folgen genau hat zu sparsames Trinken?
Renkawitz:
Wird zu wenig getrunken, leidet der gesamte Organismus. Für den
Blutkreislauf bedeutet das zum Beispiel, dass der Puls steigt und das
Herzminutenvolumen abnimmt. Konkret: Die Gefäße verengen sich, die
Blutmenge ist verringert, das Blut eingedickt. So benötigt das Herz
deutlich mehr Kraft, um die viskose Masse durch die Adern zu pumpen.
Die Nährstoffversorgung von Muskulatur und Gehirn ist herabgesetzt.
Wie sieht in Ihren Augen die optimale Trinkerziehung aus?
Renkawitz:
Eltern sollten ihre Kinder immer wieder zum Trinken auffordern und
selbst mit gutem Beispiel vorangehen. Nur so lernt das Kind von klein
an regelmäßiges Trinken. Zudem sollte bei den gereichten Getränken von
vornherein auf die Geschmacksqualität „süß“ verzichtet werden.
Saftschorlen oder Erfrischungsgetränke stellen eine Ausnahme dar, nicht
die Regel. Wichtig ist, kontinuierlich Getränke anzubieten: zu jeder
Mahlzeit, unterwegs und beim Sport. Wird in der Schule oder dem
Kindergarten nichts angeboten, muss dem Kind eine Trinkflasche
mitgegeben werden.
Wie oft und wie viel sollten Kinder im Baby und Kleinkindalter/ im Kindergarten und im Schulalter denn trinken?
Renkawitz:
Optimal wäre alle halbe Stunde bis Stunde ein paar Schlucke - das
entspricht bei einem Kleinkind ungefähr 0,1 Litern. Das ist aber nicht
immer praktikabel. Wichtig ist: Regelmäßig kleine Mengen sind besser
als selten große Mengen. Der Bedarf hängt natürlich auch von äußeren
Faktoren, wie Witterung, Klima oder körperlicher Belastung, ab. Babys
benötigen in der Stillzeit nur bei sommerlicher Hitze oder Fieber
zusätzliche Flüssigkeit. Kleinkinder sollten im Mittel 1,3 Liter pro
Tag aufnehmen, Grundschulkinder bis 1,8 Liter. Diese Menge muss nicht
komplett getrunken werden, denn auch in der Nahrung ist Wasser
enthalten. Pflanzliche Nahrungsmittel wie Gurken oder Himbeeren
enthalten sehr viel Wasser, eiweißreiche tierische Kost dagegen kaum.
Wann ist Trinken sinnvoll? Vor, zu, nach oder zwischen den Mahlzeiten?
Renkawitz:
Zu den Mahlzeiten und zwischendurch. Es gibt nur wenige Speisen, zu
denen nicht getrunken werden sollte. So etwa ungewaschene Kirschen oder
Pflaumen frisch vom Baum. Diese Früchte sind mit Hefen besiedelt, die
von der konzentrierten Magensäure unschädlich gemacht werden müssen.
Andernfalls drohen Bauchschmerzen. Nach dem Essen vergisst man oft zu
trinken oder es ist kein Platz mehr im Magen. Besser ist, bereits vor
dem Essen zu trinken, so stellt sich das Sättigungsgefühl schneller ein.
In
Schulen und Kindergärten ist es Kindern meist nicht erlaubt, jederzeit
zu trinken. Lehrer begründen dies mit der damit verbundenen Unruhe. Was
müsste sich hier Ihrer Meinung nach ändern?
Renkawitz: Während
des Unterrichts befürchten viele Lehrer neben der gesteigerten Unruhe
oft Spritzer auf Lehrmaterialien, Boden oder Mobiliar. Zuckerhaltige
Getränke hinterlassen dabei klebrige Flecken. Doch langsam bemerke ich
ein Umdenken. Es gibt vorbildliche Klassen, in denen immer
Mineralwasserflaschen und Becher bereit stehen. Die Kinder können sich
zumindest in den Pausen bedienen. Tun sie es nicht, werden sie sogar
erinnert.
Als geeignetes Getränk plädieren Sie für natürliches Mineralwasser ohne Kohlensäure. Warum ohne Kohlensäure?
Renkawitz:
Es gibt nur wenige Mineralwasser, die natürliche Kohlensäure enthalten.
Die meisten Sprudelwasser werden im Nachhinein mit Kohlensäure
versetzt. Das ist unnötig, die Säure greift die Zähne an, das Gas führt
zum Aufstoßen und man kann weniger davon trinken.
Es heißt immer
wieder, in stillem Wasser vermehrten sich Keime oder Bakterien
schneller. Wie lange darf man offenes, stilles Wasser aufbewahren?
Renkawitz:
Wer sein Mineralwasser aus Gläsern trinkt, kann sich ganz in Ruhe zwei
bis drei Tage Zeit lassen, die angebrochene Flasche aufzubrauchen. Wer
hingegen direkt aus der Flasche trinkt, sollte sie möglichst binnen 24
Stunden leeren.
Was halten Sie von Leitungswasser? Und was spricht gegen Tees oder Säfte bzw. Saftschorlen?
Renkawitz:
Bei uns zu Hause bekommen die Kinder tagsüber Mineralwasser, ein Glas
Apfelschorle ist auch drin, zum gemeinsamen Abendbrot gibt es meist
Tee. Die Hygiene von Leitungswasser ist hier zu Lande streng
kontrolliert, aber es hat auf dem langen Weg zum Wasserhahn von seiner
Natürlichkeit viel verloren und ist als Getränk nicht sonderlich
beliebt. Früchtetees enthalten viel Säure und greifen die Zähne an.
Teesorten die nicht aus biologischer Erzeugung stammen, sind zudem oft
aromatisiert – ein Unding für Babys und Kleinkinder.
Wie geeignet ist Milch als Getränk?
Renkawitz:
Milch ist kein Getränk, sondern ein energie- und nährstoffreiches
Lebensmittel. Als Durstlöscher ist es daher wenig geeignet. Zum Start
in den Tag ist Milch aber optimal, insbesondere für Kinder, die das
Haus ohne feste Kost im Bauch verlassen – entweder, weil sie nicht
frühstücken können oder sich auf das gemeinsame Frühstück im
Kindergarten freuen.
Eltern äußern immer wieder, dass ihr
(Klein-)Kind partout nichts trinken wolle und das Trinken völlig
verweigere. Sie greifen daraufhin zu gesüßten Gertränken, damit ihr
Kind überhaupt etwas trinkt. Ist dies in Ihren Augen sinnvoll?
Renkawitz: Nein. Das lässt sich konditionieren, wenn auch ein Paar Stunden oder Tage die Nerven der Eltern strapaziert werden.
Noch ein Wort zur Vorbildfunktion der Eltern?
Renkawitz:
Kinder ahmen ihre Eltern nach und lernen so sinnvolles oder unsinniges
Verhalten. Steht zu Hause immer eine Flasche Mineralwasser parat und
wird davon regelmäßig getrunken, gewöhnen sich auch die Kinder daran.
Sehen die Kinder aber, dass Cola oder Limonade getrunken werden, weckt
dies ihr Verlangen.
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