| Sarah Chudaska - 16 Jahre alt |
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Ich möchte Ihnen hier von meinen Erfahrungen berichten, die ich in meinem bisherigen Leben in den verschiedensten Bereichen schon sammeln durfte. Fange ich mal an mit unserem, meiner Meinung nach, wichtigsten Fortbewegungsmittel, dem Rollstuhl oder auch „Rolli“ genannt. Meinen ersten Rolli bekam ich mit vier Jahren, als ich in den Kindergarten kam. Dort bin ich durch alle Räume geflitzt... ... und habe mit meinen Freunden Fangen gespielt. Viele Leute mussten aber auch schon so manch schmerzliche Erfahrung mit meinem Rolli machen. Denn früher bin ich den Leuten häufiger mal entweder über den Fuß oder in die Hacken gefahren, wenn ich mal wieder ordentlich „Dampf“ drauf hatte und nicht schnell genug bremsen konnte. Vor allem meine Mutter kann davon ein Lied singen. Im Kindergarten war mir mein Rolli eine große Hilfe. So konnte ich wenigstens mit den Anderen mithalten. Zuhause habe ich den Rolli am Anfang nicht gebraucht. Zu dieser Zeit bin ich noch längere Strecken gelaufen. Das änderte sich aber schlagartig, als ich vor ca. sechs Jahren an beiden Knien operiert werden musste. Nach dieser OP musste ich fast sieben Wochen liegen, durfte zwischendurch immer nur ganz kurz stehen und nur eine Stunde pro Tag im Rolli sitzen. Ich habe zwar wieder angefangen mit meinen Orthesen, die ich damals noch trug, zu laufen und habe auch jeden Tag fleißig geübt, damit meine Muskeln wieder stark werden, aber irgendwie fand ich nicht die Kraft zum Laufen wieder, die ich vor der Knie- OP hatte. Ich kann zwar wieder laufen, jedoch nur noch kürzere Strecken. Trotzdem bin ich viel selbstständiger geworden, seit ich den Rolli im Haus habe. Auf ihn möchte ich heute einfach nicht mehr verzichten.Nachdem ich Ihnen meine Erfahrungen mit dem Rolli geschildert habe, möchte ich Ihnen nun erzählen, welche Erfahrungen ich mit meinem Handybike oder Handbike gesammelt habe. Manche von Ihnen werden sich vielleicht fragen: Was ist ein Handybike? Ein Handybike ist eine Art Fahrrad für Rollstuhlfahrer. Es ist sehr praktisch, denn man muss nicht aus dem Rolli aussteigen, um damit fahren zu können. Es wird einfach vorne vor den Rolli gebaut. Für mich ist das Handybike eine Bereicherung. Ich kann überall alleine hinfahren, z.B. zu Freunden, in die Stadt usw. Aber ich kann auch mit meinen Freunden zusammen etwas unternehmen, ohne dass mich irgendjemand überall hinbringen muss. Es bringt einem ein Stück mehr Selbstständigkeit. Doch auch mit ihm habe ich schon „schmerzhafte“ Erfahrungen gemacht. Ich bin schon häufiger mal umgekippt oder auch „umgekippt worden“. Einmal wollte ich morgens mit meiner Freundin zur Schule fahren. Wir hatten beide ein ganz schönes Tempo drauf. Plötzlich mussten wir um eine Kurve fahren. Ich dachte, ich käme auch in diesem Tempo um diese Kurve. Zu meinem Pech habe ich sie dann auch noch zu eng genommen und bin zur Seite gekippt. Einige Autofahrer sahen das und haben sogar angehalten, um mir wieder hoch zu helfen. Ich habe diesen Sturz unbeschadet überstanden. Meine Freundin stand damals daneben und hat sich „tot“ gelacht. Ich fand das gar nicht so lustig, aber wenn wir heute noch daran denken, müssen wir beide total lachen. Wo ich gerade schon einmal meine Freundin erwähnt habe, mache ich doch mit diesem Bereich weiter. Ich habe nur nicht behinderte Freundinnen. Für sie alle war es von Anfang an kein Problem, dass ich im Rolli sitze. Sie durften selbst alle schon einmal erfahren, wie es sich anfühlt, im Rolli zu sitzen. Ich habe sie von Anfang an an meinem Leben teilhaben lassen. Auch mit meinem Handybike sind einige schon gefahren. Dazu musste ich sie aber nicht animieren. Sie haben meistens von sich aus gefragt, ob sie einmal fahren dürfen. Zwei von meinen besten Freundinnen waren auch schon einmal mit im Krankenhaus, als ich zur Kontrolluntersuchung musste. Mit fast allen meinen Freundinnen bin ich seit zehn oder mehr Jahren befreundet und ich bin froh und glücklich, dass sie mich so akzeptieren wie ich bin. Ich könnte mir keine besseren Freunde vorstellen, als die, die ich habe. Wenn es um andere nicht behinderte Mitmenschen geht, habe ich eigentlich auch nur positive Erfahrungen gemacht. Wenn ich z.B. alleine in der Stadt unterwegs bin, dann sind die Menschen sehr hilfsbereit. Wenn ich irgendwo nicht alleine dran komme, dann helfen sie mir meistens schon von sich aus, ohne dass ich fragen muss. Ich habe auch noch nie negative Dinge gesagt bekommen von nicht behinderten Mitmenschen. Das einzige, was mich manchmal nervt, ist, dass die älteren Leute mir häufig nachschauen, wenn ich irgendwo unterwegs bin. Da fragt man sich dann oft, was diese Leute eigentlich von einem wollen. Inzwischen habe ich gelernt, das zu ignorieren, aber es ist trotzdem nicht so schön. Nun zu meiner Schulzeit. Meine Schulzeit verlief bis jetzt eigentlich sehr gut. Ich war auf einer Regelgrundschule, wo ich auch das einzige Rollikind war. Ich habe damals mit meiner Schulleiterin und meiner Klassenlehrerin echte Glücksgriffe gelandet. Für meine Schulleiterin war, nachdem sie sich ein bisschen mit mir beschäftigt hatte, sofort klar, dass ich auf diese Schule komme. Sie sagte nur: „ Die nehme ich.“ Auch mit meiner Klassenlehrerin hatte ich dieses Glück. Ich habe mich in den vier Jahren auf der Schule total gut mit ihr verstanden. Insgesamt hatte ich eine sehr schöne Grundschulzeit. Als ich schon auf der weiterführenden Schule war, bin ich ab und zu während der Pause zu meiner alten Klassenlehrerin hinüber gegangen, da meine alte Grundschule und das Gymnasium direkt nebeneinander liegen. Auch mit meinen Klassenkameradinnen und -kameraden kam ich gut klar. Ich wurde zwar einmal von einer Klassenkameradin gehänselt, aber es blieb Gott sei Dank bei diesem einen Mal. Diese, ja überwiegend, positiven Erfahrungen setzten sich auf der weiterführenden Schule fort. Dank meiner damals guten bis sehr guten Leistungen bekam ich die Empfehlung für die Gesamtschule oder das Gymnasium. Ich wollte unbedingt auf das Gymnasium, weil ich dort damals schon viele Leute kannte. Also fuhr ich vor dem eigentlichen Anmeldungstermin mit meiner Mutter zur Schule. Der Schulleiter unterhielt sich einige Zeit mit uns und sah sich mein Zeugnis an, das ich mitgebracht hatte. Auch für ihn war es damals kein Thema, dass ich diese Schule besuchen durfte. Dafür bin ich immer noch sehr dankbar. Inzwischen haben wir eine neue Schulleiterin, aber die ist auch sehr nett. Als meine Mutter sie nach einer Arbeitszeitverlängerung gefragt hat und ihr einige Gründe nannte, warum diese denn notwendig sei, hat sie sofort eingewilligt. Ich fühle mich auf dieser Schule sehr wohl und sowohl meine Lehrer, als auch meine Mitschülerinnen und Mitschüler sind sehr nett zu mir. Als nach der sechsten Klasse die Klassen neu gemischt wurden, habe ich ihnen auch sofort etwas über meine Behinderung erzählt und gesagt, dass sie mich sofort fragen können, wenn sie etwas dazu wissen möchten. Auch ein paar Mädchen aus einem jüngeren Jahrgang haben mich schon einmal interviewt, als sie das Thema „Behinderung“ besprochen haben. In meiner jetzigen Klasse, in der ich seit der siebten Klasse bin, haben mich auch alle so akzeptiert, wie ich bin. Sie haben mir auch immer, wenn ich im Krankenhaus lag, Gute Besserung gewünscht und mir sogar Grußkarten selbst gemalt. Ich fühle mich in der Klasse echt wohl. Nun kommt das, was viele von Ihnen vielleicht am meisten interessiert: Meine Erfahrungen mit Ärzten, Krankenhäusern und Therapeuten. Ich habe bisher in meinem Leben mit meinen Ärzten und Therapeuten sehr viel Glück gehabt. Angefangen mit den beiden ersten Operationen direkt nach meiner Geburt, mein Shunt funktioniert bis heute ohne Komplikationen, bis zu den orthopädischen OPs, die bis zu meinem zehnten Lebensjahr statt fanden. Auch diese brachten den gewünschten Erfolg. Meine Krankengymnastin begleitete mich von der dritten Lebenswoche bis zu meinem 13. Lebensjahr. Seitdem besuche ich einmal wöchentlich ein Fitnessstudio. Heute fahre ich nur noch zu meinen Kontrolluntersuchungen ins Annastift nach Hannover (Orthopädie) und ins Johanniskrankenhaus nach Bielefeld (Urologie). Diese Untersuchungen finden ca. alle eineinhalb Jahre statt.
Das sind meine Erfahrungen, die ich in meinem bisherigen Leben schon sammeln durfte. Ich muss einfach sagen: Ich habe in meinem Leben schon wirklich sehr viel Glück gehabt und das weiß ich sehr zu schätzen. |
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