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Familie Reißer - Hannah Rabea
Hannah Rabea Reißer – unser absolutes Wunschkind – wurde am 28.Oktober 2003 per Kaiserschnitt geboren.

Ein Augenblick, der alles veränderte.

Erst kurz vor der Geburt erfuhren wir, dass alles anders sein sollte, als wir es gewünscht und erhofft hatten, denn Hannah hatte Spina bifida (offener Rücken)und einen Hydrocephalus (Wasserkopf).

Der Arzt sagte uns, wir würden ein schwerst körperlich und geistig behindertes Kind bekommen!

Direkt nach der Geburt wurde Hannah in eine weit entfernt liegende Spezialklinik geflogen – zurück blieben wir als völlig verschreckte und hoffnungslose Eltern. Unser ganzes Leben geriet ins Wanken.

Doch Hannah sollte uns schnell lehren, dass auch eine etwas andere Lebensplanung schön und sinnvoll sein kann.

Hannah bewies uns von Geburt an, dass sie leben wollte und ihr Leben sehr lebenswert war. Erst nach 7 Monaten und 13 OPs kam sie zu uns nach Hause.Trotzdem hatte sie in der Klinik das Lachen gelernt. Durch ihr Lächeln und ihren Kämpfergeist half sie uns, nicht den Mut zu verlieren.

Sie eroberte unseren Freundeskreis im Sturm und war der neue Star der Familie. Schnell zeigte sich, dass sie keineswegs geistig behindert war. Zwar war sie motorisch stark eingeschränkt (sie konnte weder Robben noch Krabbeln), machte dies aber durch ihren Charme und ihre Hilfsmittel wett.

Mit 15 Monaten bekam sie ein Stehgestell und befand sich plötzlich mit anderen Kindern auf Augenhöhe.Selten haben wir Hannah so stolz gesehen. Ab jetzt war nichts mehr vor ihr sicher, denn sie bewegte sich an unseren Möbeln entlang durch die Wohnung. Am liebsten stand sie jedoch vorm Spiegel und tanzte.

Schnell wurde uns klar, dass wir da eine Prinzessin heranzogen, die uns alle um den Finger wickelte. Daher bekam Hannah mit fast 2 Jahren eine kleine Schwester, die sie vom ersten Augenblick an abgöttisch liebte. Hannah übernahm sofort die Rolle der großen Schwester. Ab dem Moment war sie nicht länger die kleine Maus, sondern nur noch die „große“. Es zeigte sich schnell, dass Hannnah motorisch sehr von ihrer nicht-behinderten Schwester provifierte. Zudem stand sie nun nicht mehr allein im Mittelpunkt.

Als Hannah mit 25 Monaten endlich ihren ersten Rollstuhl bekam, begann ihre Zeit der ersten Unabhängigkeit, denn zeitgeleich lernte sie, sich auf dem Po rutschend vorwärts zu bewegen. Der rote Rolli war ihr ganzer Stolz und durfte von keinem geschoben werden, denn sie wollte und konnte damit mindestens genauso schnell fahren wie andere Kinder laufen.

Ob unser Familienleben anders ausgesehen hätte, wenn Hannah nicht behindert geboren wäre?

Ja – Einschränkungen gab es viele, aber verzichten mußten wir als Familie auf nichts. Wir besuchten Tierparks, Freizeitparks, Kaspertheater, Freibäder, Tanzturniere, Restaurants. Wir fuhren in den Urlaub, schwammen in der Nordsee, fuhren Fahrrad, besuchten Freunde, backten Plätzchen, malten und bastelten. Hannah war in der Krabbelgruppe, beim Rolli-Sport, in der Kindertanzgruppe und mit drei Jahren kam sie in den heißersehnten „normalen“ Kindergarten.Unser schönster Augenblick war, als sie uns ihre erste selbstgewählte Freundin päsentierte.

Wir sind vor Stolz geplatzt, als Hannah mit ihrem Rolli zwischen allen Kindergartenkindern, neben ihrer Freundin stand und ein einstudiertes Lied sang.

Ja – es gab auch die furchtbaren angsterfüllten Tage, in denen wir mit Komplikationen und Not-Operationen fertig werden mussten. Klinikaufenthalte in weit entfernten Städten, Arztbesuche bei verschiedensten Fachbereichen sowie Therapien und Frühförderung gehörten zum Alltag. Heute wissen wir manchmal nicht, wie man das alles als völlig „normal“ ansehen konnte.Man ist sich der seelischen und körperlichen Belastung zum Glück im Alltag nicht bewusst.

Für viele, für nicht-behinderte Kinder selbstverständliche Dinge, mußten wir lange kämpfen (z.B. Kindergartenplatz) und erst beweisen, dass Hannah ein ganz „normales“ lebensfrohes kleines Mädchen war, das sich sehr gut in den „normalen“ Alltag integrieren ließ. Auch haben wir immer mal wieder zu hören bekommen, dass es für alle besser gewesen wäre, wenn Hannah gar nicht geboren wäre. Das macht uns traurig und wütend, denn Hannah – die im Verhältnis zu anderen Spina-Kindern sehr stark betroffen war – hat ihr Leben genossen und hat bis zum Ende gekämpft, bei uns bleiben zu können.

Insgesamt haben wir uns immer bemüht, Hannah ein möglichst selbständiges Leben zu ermöglichen.Vieles befand sich noch in Planung, da die finanziellen Möglichkeiten beschränkt waren (Bau einer Rampe zur Haustür, behinderten gerechtes Badezimmer).

Leider verstarb Hannah am 20.02.2007 viel zu früh an einer Hirnhautentzündung.

Wir haben Hannah stets als Bereicherung für unser Leben empfunden, denn sie hat uns gezeigt, dass der Augenblick zählt!

Diese Stiftung haben wir Hannah gewidmet, die immer in unseren Herzen ist!

In unendlicher Liebe

Ilka & Jens Reißer mit Lilli Sophie

 
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